TERREMOTO 2003

15. November 2003

15.11.2003 Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften und unter Einbeziehung aller Führungsebenen hat das Landratsamt Konstanz am vergangenen Samstag die Bewältigung eines Großschadensereignisses geübt. Angenommen wurde ein Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala, das um 07:45 Uhr nach dem Drehbuch der Übung erhebliche Schäden im ganzen Landkreis und darüber hinaus verursachte. Alle Führungsebenen haben geübt
Neben den Einsatzkräften vor Ort übten der Katastrophenschutzstab des Landratsamtes, die Technische Einsatzleitung sowie die Integrierte Leitstelle den Informationsfluss sowie die Weiterverarbeitung der eingehenden Meldungen. Der Stab erledigte nicht nur Anforderungen für überörtliche Hilfeleistung und Bereitstellung von Notunterkünften, sondern koordinierte die Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Organisationen.

Hohentwieltunnel Singen
Im Hohentwieltunnel hatte sich nach einem Teileinsturz ein "verheerender Verkehrsunfall" ereignet. Über 40 Verletzte forderte der Zusammenprall eines vollbesetzten Busses mit mehreren Personenwagen. Auch ein Munitionstransporter der Bundeswehr war an dem Unfall beteiligt. Der Zugang zur Einsatzstelle war durch einen großen Rückstau und eingestürzte Tunnelteile- dargestellt durch große Mengen Strohballen - erheblich erschwert.

Bahnhof Radolfzell
Im Bahnhof Radolfzell wurde ein Zugunglück simuliert, bei dem ein Personenzug mit einem Güterzug kollidiert war. Insgesamt 95 Verletztendarsteller simulierten schwer verletzte und getötete Zuginsassen. Auslaufender Kraftstoff aus den Güterwagen gefährdete Boden, Grundwasser und den nahen Bodensee und musste aufgefangen werden. Einen in Brand geratenen Kesselwagen ließ die Feuerwehr kontrolliert ausbrennen.

Grundschule Engen
In Engen übten Feuerwehr, THW und Sanitätsdienst die Evakuierung eines Altenheimes. 40 Angehörige der Feuerwehr-Altersabteilung spielten in der Grundschule Engen nicht gehfähige Senioren, die von den Helfern aus dem Obergeschoss des Gebäudes getragen werden mussten. Um Beunruhigung der Bewohner zu vermeiden, wurde nicht in einer realen Pflegeeinrichtung geübt.

Industriegebiet Singen
Auf dem Gelände eines Transportunternehmens im Singener Industriegebiet wurde ein Gebäudeeinsturz simuliert. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks suchten in dem großen Bauschuttberg nach verschütteten Personen.

Ereignisstab Firma Alcan
Die Firma Alcan in Singen beteiligte sich an der Übung, indem sie zahlreiche Schadensereignisse in Folge des Erdbebens auf ihrem Betriebsgelände annahm und durch ihren Ereignisstab als Stabsrahmenübung bearbeiten ließ. Übungsziel war es hier, die Zusammenarbeit des Ereignisstabes mit dem Stab des Landratsamtes zu testen.

Realistische Darstellung
Großer Wert wurde auf eine realistische Darstellung des Schadensszenarios gelegt. Hierfür waren mehrwöchige Vorbereitungen erforderlich. Die Sanitätsorganisationen zogen Verletztendarsteller aus dem gesamten Südwesten zusammen. Sie wurden mit großem Aufwand verletzungstypisch geschminkt. Hierzu wurden große Mengen künstliches Blut eingesetzt und offene Brüche durch Tierknochen dargestellt. Mit verletzungstypischen Verhaltensweisen bot sich den Helfern an allen Schadensorten ein sehr realistisches Szenario. Die Deutsche Bahn AG stellte kostenlos zwei ausrangierte Reisezugwagen für die Übung zur Verfügung und brachte ihren Gefahrgut-Übungszug nach Radolfzell. Die Firma Moll Abschleppservice aus Stockach errichtete unter Unterstützung des Technischen Hilfswerkes mit einem eigens aus Stuttgart herangeholten Schrott-Bus, zahlreichen Pkw und 25 Tonnen Strohballen ein realistisches Schadensszenario im Hohentwieltunnel. Die Firmen Dilse und Schwarz in Singen ermöglichten dem THW die realistische Darstellung eines Gebäudeeinsturzes.

Die Vorbereitungen der Übung dauerten ein dreiviertel Jahr.

Unter Regie des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz hatte eine Arbeitsgruppe das Schadensszenario erarbeitet und die notwendigen Vorbereitungen und Abstimmungen vorgenommen. Unterstützung durch die Polizeidienststellen Unterstützt wurde die Übung durch eine Großzahl von Polizeibeamten der Polizeidirektion Konstanz, der Autobahnpolizeidirektion Umkirch sowie des Bundesgrenzschutzes. Sie nahmen die notwendigen Absperrmaßnahmen vor und sorgten für eine reibungslose Umleitung des Verkehrs. Während der gesamten Übung kam es trotz der Vollsperrung der Autobahn A81 zwischen dem AK Hegau und der Anschlussstelle Hilzingen zu keinerlei Behinderungen. Auch der Autobahnmeisterei Engen gebührt großer Dank für die gute Unterstützung und Zusammenarbeit. Erkenntnisse werden ausgwertet
Übungsbeobachter des Landes, der Hilfsorganisationen sowie des Landratsamtes haben die Übungsorte aufmerksam beobachtet und Erkenntnisse gesammelt. Diese Informationen werden in den nächsten Wochen gesammelt und ausgewertet. Anschließend sollen in kleineren Arbeitsgruppen Lehren aus den Übungserkenntnissen gezogen werden, bevor im Januar 2004 im Rahmen einer Abschlussbesprechung ein Gesamtresümee gezogen wird.

Großer Dank an alle Beteiligten
Landrat Frank Hämmerle dankte im Anschluss den rund 760 an der Übung beteiligten Helferinnen und Helfern für Ihren Einsatz: "Sie alle haben sehr gute Arbeit geleistet. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für ihr großartiges Engagement sowohl im Vorfeld, als auch bei der Übung selbst und bei der Umsetzung der Erkenntnisse in der Zukunft. Es war wichtig, die Abläufe nach längerer Planung und Planspiel-Übungen nun einmal in der realistischen Vollübung zu testen. Denn hier werden Fehlerquellen offensichtlich, die bei Planspielübungen nicht erkannt werden können. Dass Sie hierfür viel Freizeit geopfert haben, verdient die besondere Anerkennung."